Body Serenity: Deine Playlist für’s Essstörungs-Tief

Es gibt unzählige Selbstliebeplaylists, Songs to cry to, Wut- und dark mood-Playlists, Post-Break-up- und Female Empowerment-Playlists … Aber wo ist der Musikflow, der uns im Essstörungs-Tief auffängt und wieder aufbaut? Im Laufe meiner Recovery – an einem Aprilwochenende nach ein paar Schoko-Cookies – habe ich mich entschieden, sie selbst zu gestalten. 

Body Serenity

Irgendwo zwischen verzerrter Selbstwahrnehmung, der Suche nach dem „genug“, und dem Ringen mit überfordernden Worten wie “Selbstwert” oder “Selbstliebe”, hat sich ein neuer Begriff geformt: Body Serenity. Auf deutsch vielleicht Körperfrieden, Körpersorglosigkeit, Körpergleichmut, oder ruhige Körpergelassenheit. Das finde ich liebevoller und inniger als Body Neutrality, und zugänglicher als Body Positivity. Und eine in sich ruhende Gelassenheit muss keine Fragen nach Wert stellen. Dazu brauchte ich dann natürlich die passende Playlist.

Eine Playlist für Körperfrieden

Die Body Serenity Playlist ist nicht dafür gedacht, in selbstzerstörerischen Gedankenkreisen hängen zu bleiben. Sie hilft mir vor allem dabei, mich wieder dort heraus zu feiern oder zu weinen, singen und tanzen, oder was auch immer ich gerade brauche. Das Zauberhafte an Musik ist, dass sie mir ganz von selbst zeigt, was ich gerade brauche, wenn ich es selbst nicht verstehe. Denn wofür Worte fehlen, lässt sich manchmal erst durch ein Lied richtig ausdrücken.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass diese Liedersammlung das auch für dich tun oder dich vielleicht sogar zu deiner eigenen Recovery Playlist inspirieren kann. Musik ersetzt keine Therapie – sie kann heilsame Zwischentöne schenken und die Stille umspielen. Dazu möchte ich dir in diesem Artikel einige der Lieder vorstellen für alle möglichen Phasen, die du in der Beziehung zu einer Essstörung und auf der Suche nach “Body Serenity” so durchmachen kannst. Die Blickwinkel der verschiedenen Songs sind dabei so einzigartig wie unsere Geschichten – probiere selbst, welche dich am besten tragen. Oft stehen ein paar Lyrics dabei, die den Vibe eines Liedes ganz gut andeuten oder zeigen, warum es gerade dann heilsam sein kann, wenn du Essen und Körperbild herausfordernd findest. Die Playlist selbst ist hier verlinkt. Auf Spotify kannst du übrigens Lieder, die du nicht hören willst, in der Playlist ausblenden.

Vorab noch eine Triggerwarnung:

Vor allem die Lieder im ersten Abschnitt können auch sehr ernste Themen anschneiden, wie Ängste, Selbstverletzung oder depressive Gedanken (z.B. „Soap“, „Dollhouse“ und „Sippy Cup“ von Melanie Martinez, „How to never stop being sad“ von dandelion hands). In “All about that Bass” von Meghan Trainor schlägt Body Positivity leider in Skinny Shaming um. Das Wichtigste ist natürlich immer: Schau, was dir gut tut!

Woher kommst du und wogegen entscheidest du dich?

Kennst du das auch – deine Ansprüche an dich selbst wachsen mit deiner Recovery ständig mit und du vergisst schnell, wie viel du eigentlich schon geschafft hast? Und dass das alles andere als selbstverständlich ist?

Es kann unglaublich erleichternd sein, mich daran zu erinnern, wo ich eigentlich herkomme.
Es kann mich mit Stolz, Dankbarkeit und Glück erfüllen, den Weg zu sehen, der hinter mir liegt.

Immer mal wieder schafft die Essstörung es, mich davon zu überzeugen, wie elegant sie ist, wie schön das Leben mit ihr war, und wie verloren ich ohne sie bin. Die Lieder in diesem Abschnitt helfen mir, sie dann zurück auf den billigsten Platz in der hintersten Reihe zu weisen, wo sie hingehört. Und das mit viel Selbstironie, Sarkasmus und auch schwarzem Humor. So bringt die Essstörung mich meistens nur noch zum Lachen und verliert ihre Macht über mich.

Achtung: Diese Songs behandeln sehr explizit schwierige Themen. Hör sie nur, wenn du dich damit sicher und wohlfühlst.

„Dollhouse“ – Melanie Martinez

“No one ever listens, this wallpaper glistens
Don’t let them see what goes down in the kitchen…
Places, places, get in your places
Throw on your dress and put on your doll faces
Everyone thinks that we’re perfect
Please don’t let them look through the curtains”

„How to never stop being sad” – dandelion hands

“Talk down on yourself whenever possible
My life is shit because I deserve it, right?
… If they really wanted to see you they’d come, but they won’t
Who cares?
Allow yourself to lose interest in the things you love
Watch as you begin to take a backseat
To the world around you, don’t fight it”

„Mrs. Potato Head” – Melanie Martinez

“Don’t be dramatic, it’s only some plastic
No one will love you if you’re unattractive
Oh, Mrs. Potato Head, tell me
Is it true that pain is beauty?
Does a new face come with a warranty?
Will a pretty face make it better?
Oh, Mr. Potato Head, tell me
How did you afford her surgery?
Do you swear you’ll stay forever
Even if her face don’t stay together”

  • „Gilded Lily“ – Cults
  • „Afraid“ – The Neighbourhood
  • „Teen Idle” – MARINA
  • „Fame Won’t Love you“ – Sia
  • „jealousy, jealousy“ – Olivia Rodrigo
  • „Soap“ – Melanie Martinez
  • „Sippy Cup“ – Melanie Martinez
  • „NDA“ – Billie Eilish
  • “Sweet Dreams (Sky Like Dreams)” – Ferdinand fka Left Boy
  • “Cigarettes out the window” – TV Girl

Bisschen chillen

Eines der Geschenke, das ich – so wie viele andere Betroffene – aus meiner Essstörungszeit mitnehme, ist eine ganz feinfühlige, sanfte und sehr, sehr dankbare Beziehung zu Essen, und zu Selbstfürsorge so ganz allgemein. Hier kommen zwei Lieder, die das an leichten Tagen gebührend feiern und an schwierigen Tagen helfen, ein bisschen entspannter snacken und chillen zu können.

„Erdbeerkuchen“ – AnnenMayKantereit

„Und der ErdbeerkuchenDen musst du mal versuchenDer ErdbeerkuchenDen musst du mal probierenDer is‘ nicht mehr lange hier“

„Low Life“ – Dame

“… steh fast ne Stunde vor dem Obstregal
Ich nehme mir die Zeit nein ich bin nicht auf Diät
Ich genieße bloß die Auswahl seh sie als ein Privileg
… Denn kann es sein dass wenn die Ärzte zu uns sagen
Wir sollen bewusster leben nur damit meinen
Dass wir die Dinge auch bewusst erleben
Und kann es sein dass sie uns damit nur vermitteln wollen
Dass wir die Dinge einfach schätzen und genießen sollen”

Notbremse!

Meghan Trainor bringt in drei Minuten perfekt auf den Punkt, wie wir Sorgen, Grübeln, inneren Diet Talk, OCD – oder wie auch immer es in deinem Kopf heißt – zum Schweigen bringen können.

Eigentlich ist das Lied zwar eine Kampfansage an das Patriarchat. Trotzdem oder gerade deswegen hat sich meine Essstörung davon genauso angesprochen gefühlt. Vielleicht wird das ja dein neues inneres Mantra?

„Mother“ – Meghan Trainor

“’Cause you got your shit called out by this little lady
Yet your opinion’s so strong even when you’re wrong
Bet that feels like power to you
Must’ve forgot who you’re talkin‘ to
I am your mothеr
You listen to me
Stop all that mansplainin‘, no one’s listening (Shh)
Tell me, who gave you the permission to speak?
I am your mothеr
You listen to me”

Selbst-Verliebtheit

Egal, wo in deiner Recovery-Reise du stehst, es ist nie zu früh – oder die Essstörung zu stark – für ein bisschen Selbst-Verliebtheit (im allerpositivsten Sinne). Hier ein paar Anregungen, um musikalisch dein Gefühl zu vergolden, wie sehr du es lieben kannst, du selbst zu sein – egal, wie viel Mac’n’Cheese du heute gefrühstückt hast.

„Who Says“ – Selena Gomez

„Who says, who says you’re not perfect?
Who says you′re not worth it?
Who says you’re the only one that′s hurting?

Trust me, that’s the price of beauty
Who says you’re not pretty?
Who says you′re not beautiful?
Who says?“

„Love Myself“ – Olivia O’Brien

“I don’t need to know who I am yet
I don′t need to have a solid plan yet
I don′t need to be the same as everyone else
I just need to motherfucking love myself”

„Perfect to Me” (Acoustic) – Anne-Marie

“Sometimes I wake up late and don’t even brush my teeth
Just wanna stuff my face with leftover mac and cheese
You know I get depressed, are you impressed with my honesty?
Still I’ll wear what I wanna ‚cause I’m cool with what’s underneath, mmm”

  • „I Love Me“ – Demi Lovato
  • „F*ckin‘ Perfect“ – P!nk
  • „You are enough” – Sleeping At Last
  • „Love Myself“ – Hailee Steinfeld
  • „I Love My Body“ – Maya Rudolph, Crissy Guerrero, Jessi Klein, Chelsea Peretti, Jenny Slate, Mark Rivers

 

Hilfe!

Liebeslieder an all die Lieben, die dich unterstützen! Sei es dein bester Freund oder Partner, die Lehrerin, deine Selbsthilfegruppe, Therapeutin, Schwester, Mama, Opa oder auch dein Haustier – wer auch immer für dich da ist.
Vielleicht malen diese Lieder ihr Bild vor dein inneres Auge und geben dir Kraft, auch wenn diese Personen gerade nicht bei dir sein können. Oder sie tragen dich einfach wie eine musikalische Umarmung durch eine traurige Stimmung, wenn du dem Gefühl Raum geben möchtest.

„Flares“ – The Script

“Did you see the sparks filled with hope?
You are not alone
‚Cause someone’s out there, sending out flares”

„Control“ – Zoe Wees

“Don’t know if you get it
‘Cause I can’t express how thankful I am
That you were always with me when it hurts, I know that you’d understand”

„Wie schön du bist“ – Sarah Connor

“Glaub mir, ich war, wo du bist
Und weiß, was es mit dir macht
… Du weißt wo immer wir auch sind
Dass ich dein Zuhause bin”

  • „Fix you“ – Coldplay
  • „Just the way you are” – Bruno Mars
  • „Je te laisserai des mots“ – Patrick Watson
  • „Love my life“ – Robbie Williams

Selbst-Mitleid

Können wir bitte Selbstmitleid normalisieren? Mit-Leid ist doch auch nur eine Art von Mit-Gefühl, und von (Selbst-)Mitgefühl kann man ja bekanntlich nicht genug haben 😉
Dieses Lied ist für all die Tage, an denen du dich fühlst wie ein begossener Pudel. Auch die sind okay!

„Pity Party“ – Melanie Martinez

“Maybe it’s a cruel joke on me
Whatever, whatever
Just means there′s way more cake for me
Forever, forever
It’s my party and I’ll cry if I want to
Cry if I want to (cry, cry, cry)
I’ll cry until the candles burn down this place
I’ll cry until my pity party’s in flames”

Der musikalische Mittelfinger

Emotionen können wir uns ja vorstellen wie eine Welle, die abebbt, sobald sie einmal ihren Höhepunkt erreichen durfte. Nachdem wir uns also ausreichend unseren Gefühlen gewidmet und all der Überforderung Raum gegeben haben, darf der entspannte Teil kommen! Die Wohlfühl-Leichtigkeit einer wundervoll gleichgültigen Scheißegal-Haltung, das Leck-mich-doch an unsere Essstörung, der musikalische Mittelfinger an absurde Schönheitsideale und die Diätindustrie.

„Prom Queen“ – Beach Bunny

 

„Victoria’s Secret“ – Jax

Jax hat dieses Lied für ihr Babysitterkind geschrieben: “She literally got in the car, hysterically crying to me, because this one little brat said something to her that made me cringe… So, I wrote a song for her, because when I was her age, I had a lot of eating problems, and I wish someone would have said these things to me.” https://www.youtube.com/watch?v=cIy_6bFECZw

“All about that Bass” – Meghan Trainor

“I see the magazines working that Photoshop
We know that shit ain’t real, come on now, make it stop”

Essstörung? Ich mache Schluss mit dir!!! Immer wieder.

Für alle, die bereit sind für den nächsten Schritt, wird es aufregend! Ich habe mir die Essstörung manchmal vorgestellt wie eine miese, auch ein bisschen bemitleidenswerte, aufmerksamkeitssüchtige “innere Bitch*”, mit der ich Schluss mache. Leider immer wieder und nicht nur einmal, da es eine sehr toxische Beziehung ist. Aber immer wieder! Es zählt, dass wir immer wieder mit diesen fiesen Ansprüchen in uns Schluss machen, und Schritt für Schritt werden auch sie mit uns Schluss machen und uns in Ruhe zu lassen. Mit jedem Mal Schluss machen distanzieren wir uns ein Stückchen weiter von dem selbstzerstörerischen Perfektionismus in uns und entscheiden uns für Lebendigkeit.

*Die Idee stammt aus dem Buch “Size Egal: Dein Selbstbewusstsein kann nicht groß genug sein” von Tanja Marfo und Carolin Matzko.

„Cake“ – Melanie Martinez

Der beste Essstörungs-Breakup-Song überhaupt!

 

„Bulletproof“ – La Roux

“Oh baby, your time is running out
I won’t let you turn around
And tell me now I’m much too proud
All you do is fill me up with doubt”

„Roar“ – Katy Perry

„I got the eye of the tiger, a fighterDancing through the fire ‚cause I am a championAnd you’re gonna hear me roarLouder, louder than a lion ‚cause I am the championAnd you’re gonna hear me roar“

  • “Set Fire to the Rain” – Adele
  • „abcdefu“ – GAYLE
  • “I love it” – Icona Pop ft. Charlie XCX
  • „Bloody Mary“ – Lady Gaga

 

Mutmacher

Schluss machen macht Angst – und Angst braucht Mut. Diese Lieder laden dich ein, dir selbst Mut zuzutanzen, deine eigene Stärke jenseits der Essstörung wahrzunehmen und anzuerkennen, wie viel Mühe du dir gibst. Auch wenn es oft anstrengend, aufreibend und zermürbend ist: Du machst weiter.

„Breakfast“ – Dove Cameron

„Ooh-ooh, so you wanna talk about power?Ooh-ooh, let me show you power“

 

“Can’t Catch Me Now” – Olivia Rodrigo

„I’m here, I’m there, I’m everywhereBut you can’t catch me nowNo, you can’t catch me now“

“Brave“ – Sara Bareilles

“Don′t run, stop holding your tongue
Maybe there′s a way out of the cage where you live
Maybe one of these days you can let the light in
Show me how big your brave is”

Essstörung? Lebewohl.

Nicht wütend, aber genauso kraftvoll ist es, deiner Essstörung bewusst Lebewohl zu sagen. Diese Lieder machen aus Abschied Poesie und schenken dir Self-Empowerment pur – tanzbar, explosiv und stärkend. Denn nach dem Abschied braucht es neue Kraftquellen: immer wieder Ja zu dir selbst zu sagen und Nein zur Sucht. Mit diesen Songs kannst du Energie, Mut und Neugier für eine erfüllende Zukunft tanken.

„Ozean“ – AnnenMayKantereit

“Ich will nicht traurig sein und ich will nicht drüber reden
Ich will ein Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit
Ein Meer zwischen mir und allem, was war”

 

„happiness“ – Taylor Swift

“Tell me, when did your winning smile
Begin to look like a smirk?
… There’ll be happiness after you
But there was happiness because of you
Both of these things can be true
There is happiness”

„Burn“ – Ellie Goulding

„When the lights started out, they don’t know what they heardStrike the match, play it loud, giving love to the worldWe’ll be raising our hands, shining up to the sky‚Cause we got that fire, fire, fireYeah, we got that fire, fire, fire“

  • „my future“ – Billie Eilish
  • „Unwritten“ – Natasha Bedingfield
  • „Mantra“ – JENNIE
  • „I AM WOMAN“ – Emmy Meli
  • “This is me” – Keala Settle, The Greatest Showman Ensemble

The bigger picture

Wie möchtest du eigentlich später auf dein Leben zurückblicken, jenseits aller Zahlen und Messwerte? Wenn nicht die Essstörung – was dann soll dich geprägt, geleitet, erfüllt haben? Ist ein bisschen cheesy, aber ich lieb’s <3

„I Lived“ – OneRepublic

„I, I did it allI, I did it allI owned every second that this world could giveI saw so many placesThe things that I didYeah, with every broken boneI swear I lived“

„Later Never Comes” – Luke Evans, Jessie Buckley

“You kept looking for something
A measure of security”

„I’ll begin again” – Luke Evans

“I’ll begin today, throw away the past
And the future I build will
Be something that will last
… And I’ll thank the world and remember when
I was able to begin again”

Ein Lied sagt mehr als tausend Worte – also mach es dir gemütlich, schnapp dir deine Lieblingskuscheldecke, eine gute Freundin oder ein großes Glas Erdnussbutter, und hör mal rein 🙂









chevron-up Created with Sketch Beta.